Ulrich Schweizer


Ulrich Schweizer

Geboren 1955 in Grötzingen, Lkr. Esslingen. Studierter Betriebswirt, begeisterter Kaffeehausgänger und Frankreichfan. Heute ist Ulrich Schweizer, nach Stationen als Marketingleiter eines kleinen Versandhauses, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit eines großen Handwerks-Unternehmens und Chefredakteur der Stuckateur- und Trockenbauer-Fachzeitschrift (heute „ausbau + fassade“), seit November 1995 Chefredakteur des „Malerblatt“ mit Sitz in Stuttgart.
Januar 2003: Ulrich Schweizer

Maler Consult: Der "4. Zukunftstag im Handwerk" in Augsburg ist kürzlich zu Ende gegangen. Was hat Sie dort am meisten beeindruckt? Und warum?

Ulrich Schweizer: Am meisten beeindruckt - seine Kontinuität. Bereits zum vierten Mal fand er statt und ist inzwischen schon gute Tradition. Aber: Wie die meisten Veranstaltungen hatte er auch einen Teilnehmerrückgang zu verzeichnen, was mich ebenfalls beeindruckte – negativ allerdings! Das Malerblatt und die anderen Partner müssen mit Dr. Bernd W. Dornach und seinem Team die „Hausaufgaben“ machen und wieder den Pioniergeist beleben, der über den früheren Zukunftstagen deutlich zu spüren war.

Maler Consult: Laut Regierung soll es in Zukunft möglich sein, einen Handwerksbetrieb auch ohne Meisterbrief zu führen. Was halten Sie von der augenblicklichen "Meisterbrief-Debatte"?

Ulrich Schweizer: Die Debatte wird natürlich seitens des Handwerks sehr emotional geführt - verständlich! Das wird jedoch nur wenige Politiker beeindrucken. Und deshalb ist es wohl ein Kampf gegen Windmühlenflügel. Als „Muss“ für die Führung eines Handwerksbetriebes wird er fallen. Und trotzdem bleibt er wichtig: als Profilierungs- und Marketing-Instrument für die Guten. Die Schulen werden gut daran tun, Teile der Meisterausbildung dann zu modifizieren. Eine Unterrichts-Einheit muss auch sein, wie der Meisterbrief später „vermarktet“ und bei der Auftrags-Gewinnung eingesetzt werden kann ...

Maler Consult: Überall wird Pessimismus verbreitet. Was raten Sie dem Malerbetrieb, um der Konjunkturflaute zu trotzen?

Ulrich Schweizer: Pessimismus ist ein schlechter Ratgeber – doch ist das vom Schreibtisch aus einfach dahergesagt. Wenn die allgemeine Konjunktur nichts mehr taugt, muss an einer individuellen, betrieblichen Konjunktur gearbeitet werden. Mit Hilfe des im Handwerk so ungeliebten Marketing oder zumindest einiger Marketing-Bausteine. Hilfreich: externe Berater und Dienstleister mit genau definierten Aufgaben betrauen.

Maler Consult: Das Malerblatt schreibt gemeinsam mit Caparol den "Maler-Marketing-Preis" aus. Zeichnet sich hinsichtlich der Resonanz des mit 10.000 Euro dotierten Preises schon ein Trend ab?

Ulrich Schweizer: Klarer Trend: Die Inhaber der eher kleinen Betriebe stellen ihr Licht unter den Scheffel. Manche machen sehr gute Aktionen, reichen die aber nicht ein, sondern fragen bescheiden vorab an, ob „so etwas“ auch eingesandt werden kann. Bislang liegt deshalb erst wenig auf dem Tisch, ist aber telefonisch angekündigt! Da drücke ich uns selber die Daumen, dass alles kommen wird, was avisiert wurde.

Maler Consult: Im Zuge der Aktion "Mittelstand macht mobil" formulierte der Präsident des Zentralverbandes des deutschen Handwerks (ZDH), Dieter Philipp, die Forderungen des Mittelstandes an die Opposition. Welche Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach zwingend und am wirkungsvollsten zur Entlastung des Mittelstandes und insb. für das Handwerk?

Ulrich Schweizer: Ich muss hier etwas ketzerisch antworten. Was das Handwerk braucht, deuten die Abläufe aus dem einzigen boomenden Segment an, diejenigen aus der Schwarzarbeit: Arbeit anschauen, mündlich Technik und Preis vereinbaren, Arbeit ausführen, Geld bar entgegen nehmen. Solch einfache Mechanismen würden auch dem „offiziellen, legalen Handwerk“ sehr helfen. Weniger Gesetze, weniger Vorschriften wären hilfreich, was bei der Aktion „Mittelstand macht mobil“ ja „mehr Freiheit durch weniger Bürokratie“ heißt, genauso wie die andern vom ZDH mit formulierten Forderungen ebenfalls hilfreich wären: gerechte Steuerreform, mehr Eigenverantwortung, eine neue Politik.

Maler Consult: Was war oder ist Ihre beruflich größte Herausforderung als Chefredakteur des Malerblattes?

Ulrich Schweizer: Eine riesige Herausforderung als einzelne, längerfristige Aktion war es, vor, während und nach der Novellierung der Handwerksordnung zuerst in einer Stuckateur-Zeitschrift, dann im Malerblatt auf die Chancen der Novellierung für die verwandten Gewerke hinzuweisen, wofür ich eine Menge Prügel einsteckte – und insgesamt nur mäßigen Erfolg hatte. Manche halten die „Gewerke-Feindschaft“ heute noch hoch, einige davon einfach deshalb, weil ein solcher „Feind“ definierbar ist, konkret beschrieben und somit für eine Misere verantwortlich gemacht werden kann. Die noch größere Herausforderung ist allerdings eine permanente und höchst dynamische: je nach wirtschaftlicher Lage auf eine andere Art zu vermitteln, dass im Handwerk zukünftig nichts mehr sein wird wie es war und dass sich die Betriebe wappnen müssen – durch Fortbildung, bessere Qualität, mehr Service, gute Kommunikation und visionäres Marketing.


Vielen Dank für das Interview!