Ralf Schneider


Ralf Schneider

Dipl.Ing. Ralf Schneider, baugewerblicher Architekt, Maler- u. Lackierermeister ist bundesweit als Fach- Sachverständiger für Maler-, Putz- und Trockenbauarbeiten sowie als Referent für Sachverständigenweiterbildung und Baumanagementseminare im SVD-Sachverständigenvortragsdienst tätig. Als Autor von zahlreichen Beiträgen in der Fachpresse und Kommentator der DIN 18 363 „Maler- u. Lackierarbeiten“ im Beck’schen VOB/C-Kommentar ist er ebenfalls bundesweit als „Spezialist aus der Praxis für die Praxis“ anerkannt.
November 2004: Ralf Schneider

Maler Consult: Herr Schneider, als Sachverständiger werden Sie zur Klärung von Streitigkeiten angefragt. Wie bewerten Sie den Trend, dass von Bauherren oder deren Vertreter, ungerechtfertigte Mängelanzeigen vorgetragen werden um sich somit vor Ihrer Zahlungsverpflichtung zu drücken? Und wie kann man solchen Gebahren entgegen treten?

Ralf Schneider: Diesen "Trend" bedauere und bestätige ich. Da viele unserer Handwerkskollegen dies in der Vergangenheit zu spät bemerkten und sich darauf nicht eingestellt haben, gab und gibt es bundesweit zahlreiche Tragödien im geschäftlichen und privaten Bereich.
Solchem Gebaren entgegen treten kann man meines Erachtens nur durch richtiges Verhalten / durch richtiges Baumanagement.

Maler Consult: Die Anbieter von Ausbildungsgängen zum Sachverständigen haben großen Zulauf. In der Bau-Szene gibt es beispielsweise einen Abschluß als "Sachverständiger für die Bewertung von Gebäude-Sachschäden" oder als "Bau-Sachverständiger". Wie sind diese Sachverständigen im Hinblick auf die Sachverständigen der Handwerkskammern zu bewerten. Gibt es Unterschiede? Wenn es Unterschiede gibt, werden diese, von denen die besondere Sachkunde in Anspruch nehmen (Richter, Fachbetriebe, Privatpersonen) auch wahrgenommen?

Ralf Schneider: Die Industrie- u. Handelskammern bestellen Architekten für z.B. "Schäden an Gebäuden". Dies sind Generalisten, die gestern z.B. Fundamentsabdichtungen, Tragwerksschäden, Estrich- und Fliesenarbeiten begutachtet haben und heute womöglich Putz-, Trockenbau- und Malerarbeiten bewerten, diese Berufe aber meistens nie erlernt haben und praktische Erfahrung nur "vom Hinsehen" haben. Die Handwerkskammersachverständigen sind Spezialisten auf ihrem Gebiet, die den Beruf erlernt, im eigenen Betrieb meist sorgenvoll durchlebt und durch ständige Weiterbildung – auch im rechtlichen Bereich - sich zu "Meistern" entwickelt haben. Von Richtern und Privatpersonen habe ich leider schon häufig folgende Antwort als Begründung für die Beauftragung von Architekten erhalten: "Handwerksmeister mögen zwar mehr von ihrem Fach verstehen sind aber häufig nicht in der Lage auf dem Papier (im Gutachten) oder in einer Anhörung vor Juristen sich so verständlich zu artikulieren wie ein akademisch vorgebildeter Architekt" - was meines Erachtens nicht zutreffend ist. Die nachrückende SV-Generation im Handwerksbereich beweist häufig das Gegenteil.

Maler Consult: Wie sehen Sie die generelle Rolle des Sachverständigen in der Zukunft? Wird der Sachverständige, aufgrund zunehmender Streitfälle, bald Alltag auf unseren Baustellen sein?

Ralf Schneider: Ja, der Sachverständige ist schon heute Alltag auf unseren Baustellen. Je größer die Baumaßnahme umso ausgeprägter ist diese Entwicklung. Zu unterscheiden gilt es, dass es "Schwachverständige" und Sachverständige gibt. Der Sachverständige, der sich im Baumanagement, im Werkvertragsrecht weiterbildet und spezialisiert ist und wird künftig "der gefragte Mann / die gefragte Frau" sein.

Maler Consult: Im Objektbereich oder als Nachunternehmer im Einsatz für Generalunternehmer wird immer öfter vom "Krieg am Bau" gesprochen. Welche "Kriegsstrategie" bzw. "Kriegsführungselemente" können Sie Malerbetrieben mit auf den Weg geben.

Ralf Schneider: In der heutigen Zeit des "Krieges im Baugeschehen", Sie haben Recht mit diesem Ausdruck, müssen Betriebsinhaber, Bauleiter und Vorarbeiter einfach mehr wissen als man in der Regel in unseren Meisterschulen lernt. Die "Gegenseite" (Generalunternehmer, Baukonzerne, Bauträger etc.) schult ihre Projekt- und Bauleiter intensiv im Umgang mit den Paragrafen des BGB und der VOB. Dagegen ist eine Vielzahl unserer Handwerkskollegen viel zu wenig gewappnet. Sie "verirren" sich im "Gesetzes- und Vorschriftendschungel" und verlieren aufgrund kleiner Fehler / durch unterlassenen, "lästigen Schriftkram" vom Büro aus häufig viel Geld.
Das Handwerkszeug hierfür erhalten Handwerkskollegen in den SVD-Seminaren (nähere Infos zu Details unter www.svd-schneider.de > SVD > Vortragsdienst).

Maler Consult: In vor genannten Zusammenhang wird Generalunternehmern nicht selten unterstellt, dass ganz gezielt und nach einem betrieblich vorgegebenen Schema Handwerker in die Insolvenz getrieben werden sollen, um somit den eigenen Profit zu steigern. Haben Sie zu diesem heiklem Thema Erfahrungswerte und gibt es Warnhinweise die besondere Beachtung finden sollten?

Ralf Schneider: Ja, die habe ich. Warnhinweise sind u.a.: wenn Abschlagszahlungen nicht oder nur teilweise bezahlt werden, auf entsprechendes Nachfragen mit Mängelrügen geantwortet wird, sofortige schriftliche Aufforderung zur Nacherfüllung (Mängelbeseitigung) mit Fristsetzung und Ablehnungsandrohung folgen, Terminüberschreitung behauptet und mit Vertragskündigung gedroht, Inverzugssetzung ausgesprochen und Vertragskündigung zeitnah hinter geschoben wird etc.
Gegen solche Strategien richtig und nachweislich vorzugehen, ist heutzutage die überlebenswichtige Devise.  


Vielen Dank für das Interview!