Dipl. Ing. (TH) Otmar Schreyegg


Dipl. Ing. (TH) Otmar Schreyegg

Jahrgang 1943

Nach dem Studium Phillipp Holzmann AG im technischem Büro, Bauleitung Abteilungsleitung und Niederlassungsleiter der HN München
Vorstand der Heilitt & Woerner AG, München
Vorstand TERRAWERT AG, Leipzig
Vors. der GF WEIDLEPLAN Consulting, Stuttgart
Übernahme eines Ingenieursbüro für intern. Projektentwicklung, spätere Umbenennung in CANIS GmbH, Stuttgart, geschäftsführender Gesellschafter
Gründung und Vorstand der my-con AG, Plattform für webbasierte Beschaffungen, Schwerpunkt öffentliche Ausschreibungen, Initiator des eVergabenetzes in Kooperation mit DSTGB und ZDH
Gründung und Entwicklung von www.webvergabe.de, Plattform für private Bekanntmachungen und Ausschreibungen
November 2005: Otmar Schreyegg

Maler Consult: Herr Schreyegg, Sie sind der Initiator von webvergabe.de. Einem Portal zur Auftragsvergabe/-beschaffung innerhalb der Baubranche. Über das "world-wide-web" versprechen sich ausnahmslos alle Branchen Optimierungen und Vorteile.  Wie schätzen Sie denn Markt "Auftragsbeschaffung über das Internet", in der Baubranche, insbesondere im Bauhandwerk ein?  

Otmar Schreyegg: Auftragsbeschaffung über das Internet ist keine Frage des ob sondern allenfalls wie schnell!
Auf Grund einer für alle Mitgliedsstaaten verpflichtenden EU Richtlinie hat der deutsche Gesetzgeber die elektronische Ausschreibung und Vergabe eingeführt. Rechtlich verbindlich ist das für die öffentliche Hand. Bis 2006 sollen wertmäßig die Hälfte aller Ausschreibungen über das Internetabgewickelt werden, bis 2010 soll das Verfahren zwingend geworden sein.
Die private Wirtschaft denkt anderes: Weil die elektronische Ausschreibung allen Beteiligten Zeit, Geld , Arbeit spart und zu einer verbesserten Markttransparenz führt, führt der Auftraggeber, der diese Vorteile erkennt, das Verfahren meist innerhalb kürzester Zeit ein.
Der Handwerker kommt also an der elektronischen Ausschreibung gar nicht mehr vorbei, und je eher er sich hier einklinkt, desto mehr nutzt er die Vorteile für sich.

Maler Consult: Wie stellt sich augenblicklich das Verhältnis zwischen dem Gesamten- und dem Online-Vergabevolumen dar? Und zu welchem Zeitpunkt könnte die webbasierte Auftragsbeschaffung der "normale Weg" sein und die herkömmlichen Vorgehensweisen, z.B. Printmedien, verdrängt haben?

Otmar Schreyegg: Hier müssen wir bei einem Bauvorhaben unterscheiden zwischen der Bekanntmachung, der webbasierten Ausschreibung und dem elektronischen Angebot mit Einsatz der elektronischen Signatur (zwingend im öffentlichen Bereich nach VOB/A).
Bekanntmachungen des öffentlichen Baus sind heute etwa zu einem Drittel  im Internet zu finden, allerdings wegen der heterogenen Struktur auf Dutzenden von Plattformen und Stadtportalen. Ausschreibungen, also Verteilung der Vergabeunterlagen schätze ich auf max. 5 % des im Internetveröffentlichten Volumens und elektronische Angebote können bislang nur bei einigen Pilotprojekten gemacht werden.
Im privaten Bau sind heute vielleicht 10 % des Volumens im Internet recherchierbar, wobei auch hier die Verteilung der Vergabeunterlagen und das elektronische Angebot wiederum nur einen geringen Teil davon ausmachen.
Allerdings, und das ist der Unterschied zum öffentlichen Bau, die Zuwachsraten im privaten Bau sind hier weitaus höher, sodass ich davon ausgehe, dass das über das Internet abgewickelte Bauvolumen im privaten Bereich sehr rasch den öffentlichen Bereich überholen wird.
Wenn man jetzt noch bedenkt, dass im letzten halben Jahr rund 450.000 Einzelgewerke auf webvergabe bekannt gemacht wurden, erkennt man welches Potenzial sich hier heute schon auftut.

Maler Consult: Viele potentielle Nutzer schrecken vor Pauschalgebühren, Monatbeiträgen oder Anmeldegebühren zurück. Wie stellen sich die Gebühren und die Kostenstruktur bei webvergabe.de dar?

Otmar Schreyegg: Gerade die kleinen und mittleren Untenehmen schrecken vor Fixkosten, die die betriebswirtschaftliche Rechnung belasten, zurück. Bei webvergabe gibt es das alles nicht: Keine Anmeldegebühren, keine Abonnements, keine Mindestumsätze, keine Abnahmeverpflichtungen, keine Vertragslaufzeiten, keine Kündigungsfristen. Der Nutzer kann recherchieren, sich Trefferlisten mit Kurzbeschreibungen zeigen lassen, Suchergebnisse per eMail täglich liefern lassen und das alles ohne Kosten. Wenn er ein Projekt gefunden hat, das seinen Bedürfnissen entspricht, öffnet er diese Bekanntmachung mit allen weiteren Informationen und kann eventuell hinterlegte Vergabeunterlagen einsehen oder herunterladen. Dafür bezahlt er EUR 3,90 je Bekanntmachung.
Bildlich gesprochen, stellen wir jedem Nutzer das Glas Bier auf den Tisch und schenken laufend nach. Kostenlos und ohne Verpflichtung.  Nur wenn er einen Schluck aus dem Glas nimmt bezahlt er dafür.

Maler Consult: Sie haben als Kooperationspartner die Kreishandwerkerschaften für sich gewinnen können. Welche weiteren Maßnahmen, auch mit Hinblick auf die träge Veränderungsbereitschaft vieler Bauhandwerksbetriebe, sehen Sie vor, um möglichst schnell und umfassend diesen Markt zu erschließen?   

Otmar Schreyegg: Wir können von uns aus nicht mehr sagen, dass die Handwerksbetriebe träge sind. Es ist natürlich eine Branche, in der der Computer nicht zum Haupthandwerkszeug gehört. Diese Zeiten aber sind vorbei.  Nicht nur bedingt durch Generationenwechsel sondern auch getragen von der Erkenntnis, dass Betriebswirtschaft und die Nutzung moderner Kommunikationsmittel ein wesentlicher Bestandteil der erfolgreichen Unternehmensführung  sind, werden die Anforderungen an uns immer höher.
Gerade von den Handwerksbetrieben verspüren wir einen starken Druck dahin gehend, dass nicht nur die Bekanntmachungen von privaten Bauvorhaben recherchierbar sind, sondern dass gleich die Vergabeunterlagen mit herunter geladen werden können.  Das bauen wir jetzt verstärkt aus. Es entsteht ein Netzwerk von Beratern, die sowohl den Ausschreiber als auch den Bewerber in der  effizienten Nutzung von webvergabe unterstützen und damit die Anwendung insbesondere bei den gewerblichen Ausschreibern fördern. Herausragendes Beispiel von vielen ähnlichen ist ein großer Kaufhauskonzern, der seine weit über 1.000 Ausschreibungen pro Jahr über webvergabe abwickeln wird. "Alles was eine Maschine machen kann, müssen wir nicht mehr von Hand machen, und wir haben nirgendwo ein besseres Preis-Leistungsverhältnis gefunden als bei webvergabe" war der Entscheidungsgrund des zuständigen Leiters der Bauabteilung.

Maler Consult: Es gibt bereits einige Anbieter mit ähnlicher Intention. Was unterscheidet webvergabe.de von den anderen Portalen? Bzw. welche zusätzlichen Vorteile hat der Auftragssuchende wenn er webvergabe.de nutzt.

Otmar Schreyegg: Webvergabe.de konzentriert sich bewusst auf den privaten Baumarkt, der rund 4 mal so groß ist wie der öffentliche, aber viel schwieriger zu recherchieren, weil sich der private Ausschreiber eben an keine Regeln halten muss.
Das gesamte Leistungsspektrum bei webvergabe ist dahin ausgelegt, dass der Ausschreiber ebenso wie der potenzielle Anbieter einen maximalen Nutzen haben jedoch keine Hürden für das Mitmachen aufgebaut sind. Ab 1. Dezember schalten wir ein weiteres Modul auf webvergabe frei, womit dann der gesamte Prozess von Ausschreibung und Angebot abgedeckt wird: Erstellung von Leistungsverzeichnissen mit eigenen oder fremden Texten, Import externer Leistungsverzeichnisse, Anlegen von Ausschreibungen, Hinterlegen von beliebig vielen Vergabeunterlagen in beliebige Formaten, Pflegen eigener Bieterlisten, Wahl des Ausschreibungsverfahrens – öffentlich, voll beschränkt oder Einzelfreigabe, automatisierte Einladung ausgewählter Bieter, eMail-Benachrichtigungsservice, Download der Vergabeunterlagen durch den Bewerber, Angebote online lediglich durch Eingabe der Einheitspreise in eine Tabelle, automatisierter Preisspiegel beim Ausschreiber, etc. Das, was sonst einige Manntage an Arbeitsaufwand beim Ausschreiber und Bieter erfordert, schrumpft auf wenige Stunden zusammen. Damit bietet webvergabe einen Prozessablauf an, wie er von niemanden anderen vergleichbar zur Verfügung steht. Diese Alleinstellungsmerkmale unterscheiden webvergabe von andern Anbietern, die nur Teilprozesse zugänglich machen.


Vielen Dank für das Interview!