Michael Rose


Michael Rose

Abitur 1985, Ausbildung zum Estrichleger, Meisterprüfung 1995, Betriebswirt des Handwerks 1998, Betriebsleiter 1998, seit 2001 Prokurist bei der Unternehmensgruppe Wellhöfer einem mittelständischen Familienbetrieb für Estriche, Bodenbeläge, Parkett und Gebäudereinigung, öffentliche Bestellung und Vereidigung zum Sachverständigen im Estrichlegerhandwerk durch die HWK-Wiesbaden 2002, Gründung des Sachverständigen- und Gutachterbüro für Estrich und Belag 2002, Mitglied bei Quo Vadis Fußboden und im BNI Chapter Conrad Röntgen Gießen

www.fussbodentechnik-rose.de
Juni 2008: Michael Rose

Maler Consult: Herr Rose, als öffentlich bestellter Sachverständiger für Fußbodentechnik werden Sie zur Klärung von Streitigkeiten angefragt. Die Leser des Maler-Consult Interview kommen überwiegend aus den bereichen Malerei, Putz und Trockenbau und interessiert vor allen Dingen, ob beachtenswerte Schnittstellen zu den Gewerken Estrich und Bodenbelag im Tagesgeschäft zu Streitigkeiten führen können?

Michael Rose: Eine Problematik ist, dass vor allem Putzer regelmäßig überstehende Abdichtungen entfernen. Ein fachgerechter Anschluss ist meist nicht mehr möglich. Ich bin der Meinung, dass es nur der Nachlässigkeit der nachfolgenden Gewerke, meist Estrichleger, zu verdanken ist, dass hier nur selten moniert wird.

Ein weiterer Punkt ist das dampfdichte Abdecken von frisch verlegten Bodenbelägen, insbesondere Parkett. Werden hier die üblichen Folien oder Tetrapack Abdeckungen benutzt, können durch Schwitzwasser große Schäden entstehen. Diese Materialien sind zur dauerhaften Abdeckung nicht geeignet. Eine Woche kann schon zu lange sein.

Trockenbauer befestigen immer wieder Wände auf schwimmend verlegten Estrichen. Werden die Wände aus statischen Gründen auf solchen Untergründen, meist mit den Decken, verspannt, dann kommt es zu Rissen in der Fußbodenkonstruktion. Auch das Thema Trittschallübertragung kann zu wirklichen Problemen führen, wenn die Trockenbauwände öffentliche und nichtöffentliche Bereiche in Wohn- und Geschäftshäuser trennen. Hier hat der Trockenbauer eine Hinweispflicht.

Maler Consult: Mit der Ausführung von Bodenbelagsarbeiten entsteht für den Malerbetrieb ein zusätzliches Standbein. Wie betrachten Sie als Fußbodenexperte die Tendenz, dass viele Malerbetriebe mittlerweile die Bodenbelagsarbeiten auch anbieten? Sehen Sie hier ein Kompetenzproblem? Oder gibt es sogar Kooperationspotential? Oder ist diese Thema differenziert zu betrachten?

Michael Rose: Richtig, dieses Thema muss differenziert betrachtet werden! Marktabschottung, diesen Traum haben wir alle ...

Die Betriebe müssen sich an den Märkten orientieren. Wenn heute Kunden verlangen, dass "alles aus einer Hand" kommt, dann sollten die Malerbetriebe die verlangten Leistungen auch anbieten. Die Verlegung von Bodenbelägen gehört soweit ich weiss, schließlich zum Berufbild des Malers. Leider stelle ich immer wieder fest, dass sich Betriebe verzetteln und ihre Kernkompetenzen aus den Augen verloren haben. Ohne Investition läuft jedenfalls nichts. Wer mehr machen will, der muss sich fortbilden, Techniken beherrschen, Baustoffe kennen, Maschinen und Geräte anschaffen. Kuttermesser und Spachtel genügen nicht, um anspruchsvolle Bodensysteme sicher zu verlegen.

Kooperationspotential gibt es sicherlich, die Estrich- und Bodenleger haben die gleichen Probleme. Mir sind einige Betriebe bekannt, die erfolgreiche Kooperationen mit anderen Gewerken eingehen.

Maler Consult: Wie bewerten Sie, als Gutachter, den Trend, dass von Bauherren oder deren Vertreter, ungerechtfertigte Mängelanzeigen vorgetragen werden um sich somit vor Ihrer Zahlungsverpflichtung zu drücken? Und wie kann man solchen Gebaren entgegen treten?

Michael Rose: Hier ist Fingerspitzengefühl und Menschenkenntnis gefragt. Natürlich müssen vorhandene Mängel, ohne(!) langes Drumherum, sofort beseitigt werden. Ist der Kunde nur verunsichert, ob die erbrachte Leistung handwerksgerecht ist, dann ist der Weg über einen Dritten, z.B. ö.b.u.v. Sachverständigen ein kurzer, pragmatischer Weg. Ein kleines Schiedsgutachten und die Angelegenheit ist meist erledigt, der Kunde zufrieden.

Ist aber Absicht zu unterstellen, dann unmissverständlich klarmachen, dass der nächste Schritt der Anwalt ist und dann unbedingt diese Drohung wahr machen. Wir Handwerker sind selbst Schuld, wenn wir nicht ernst genommen werden und bevor wir uns streiten, lieber Geld ausbuchen. Warum? Wer an der Tankstelle tankt und wegfährt, wer ein Brötchen nimmt und weggeht, wird wegen Ladendiebstahl angezeigt. Solange wir uns aber alles Gefallen lassen, wird es nie aufhören.

Maler Consult: In der Vergangenheit ist zum einen immer wieder von aussichtsreichen Handwerkerbündnissen und -kooperationen zu lesen und zum anderen vom erfolgreichen Spezialistentum. Wie sehen Sie diese Entwicklung und was ist den jetzt der richtige Weg? Spezialist oder Generalist?

Michael Rose: "Den richtigen Weg" gibt es nicht. Wichtig ist es, den sich ständig ändernden Markt zu beobachten und flexibel zu agieren. Für alle Varianten gibt es Vor- und Nachteile. Ich bin der Meinung, dass ein Betrieb ständig seinen Kundenkreis kontrollieren muss, um unabhängig zu bleiben.  

Gerade bei der Sanierung und Modernisierung wollen sich die Kunden nicht mit zu viel Firmen beschäftigen, verlangen aber anspruchsvolle und hochwertige Arbeit von Spezialisten. Oft wird aus Kostengründen noch auf den Architekten zur Planung und Koordination verzichtet. Hier übernehmen die Betriebe noch mehr Verantwortung. Wer nicht den richtigen Partner gewählt hat, kann schnell für Fehler anderer in die Verantwortung gezogen werden.

Generalisten haben natürlich den Vorteil Komplettangebote erstellen zu können. Spezialisten können die Chance nutzen Marktnischen auszufüllen. Für beide, gibt es auch künftig genügend Marktpotential. Viel wichtiger finde ich es, das Betriebe erarbeitetes Know how behalten und nicht aus der Hand geben. Know how ist für mich nicht nur technisches Wissen und handwerkliches Können. Ein gut ausgebautes und funktionierendes Empfehlungsnetzwerk gehört genauso dazu. Denn ohne Kunde nutzen Änderungen im Management oder Struktur wenig.

Maler Consult: Sie bieten auch technische Seminare an. Welches Ihrer Seminare ist für die Maler, Putz und Trockenbau-Szene interessant und wo finden diese Seminare statt?

Michael Rose: Ich passe die Inhalte und Länge der Seminare auf die Fragen, Wünsche und Interessen meiner Zielgruppen an. Gerade Firmenseminaren oder Schulungstage für Mitarbeiter und Kunden, bieten die Möglichkeit, sehr individuelle Themen zu behandeln, Fragen zu beantworten, neue Denkanstöße zu geben und Probleme zu lösen. Meine Seminare sind nicht statisch, sondern lassen den Zuhörern Raum jederzeit Fragen zustellen, da ich weiß wie schwer es ist statt Sprecher "nur" Zuhörer zu sein. Verschiedene Schwerpunkte können gesetzt werden, die hier nur Beispielhaft genannt seien:

Schwerpunktthemen können dabei u.a. sein:

  • Neufassung der DIN 18560 Estriche im Bauwesen
  • Messen  und Beurteilen von Untergründen zur Estrich- und Bodenbelagsverlegung
  • Beurteilung von Dünnschichtige Estriche
  • Messung der Ebenheiten
  • Trockenenverhalten von Estrichen
  • Feuchte und Klimamessung zur sicheren Belagsverlegung
  • Nachtragsmanagement und Nachtragspotential für Estrich und Bodenleger


Vielen Dank für das Interview!


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