Michael Bablick


Michael Bablick

Geboren 1947, lernte den Malerberuf "von der Pike auf", begeisterter Fotograf und allem Schönen aufgeschlossen, besuchte 5 Semester lang die "Diplommeisterschule für das Deutsche Maler- und Lackiererhandwerk", legte 1974 die Meisterprüfung im Maler und Lackiererhandwerk ab. Später folgten Lehrtätigkeiten an Berufsschule, Meisterschule und an der Fachschule für Farben- und Lacktechnik München, langjähriges Mitglied in Prüfungsausschüssen für die Gesellen- und Meisterprüfung und im Bildungsausschuss, Autor zahlreicher Buch- und Zeitschriftenpublikationen, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Maler- und Lackierarbeiten.
Mai 2003: Michael Bablick

Maler Consult: Sie sind als Verfasser zahlreicher Fach- und Prüfungsbücher bei den Auszubildenden und Meisterschülern im Malerhandwerk ein viel Gelesener. Dem E-Learning bzw. Lernmethoden über das Medium Internet wird in Zukunft immer mehr an Bedeutung zugesprochen. Wie sehen Sie die Anwendbarkeit im Malerhandwerk bei den Meisterschülern bzw. gibt es in dieser Hinsicht schon Erkenntnisse?

Michael Bablick: Die Bedeutung des Internets wird auch in der Ausbildung zunehmen. Neben der unverzichtbaren und schnellen Informationsbeschaffung über das Internet wird es künftig auch möglich sein, sich das für die Meisterprüfung erforderliche Wissen über Fernlehrgänge und Internet zu beschaffen. Diese Arbeitsweise fordert von den Schülern größeres Engagement als es vergleichsweise in den herkömmlichen Meisterschulen erforderlich ist. Es fehlt auch der persönliche Bezug zwischen Schülern und Lehrern. Mit diesen Ausbildungsformen lässt sich aber viel Geld verdienen, besonders dann, wenn Leistung und Preis nicht übereinstimmen. Hier sehe ich eine große Gefahr. Es wird viele Abbrecher und enttäuschte junge Menschen geben.

Maler Consult: Die Qualität der Azubis und Meisterschüler, wird in den letzten Jahren immer häufiger bemängelt. Können Sie in Ihrer langjährigen Tätigkeit als Lehrer und Dozent die Entwicklung bestätigen? Und was sind die Hintergründe?

Michael Bablick: Die Qualität der Azubis und Meisterschüler wurde zu jeder Zeit bemängelt. Die Pisastudie ist in aller Munde. Die unzureichende Grundausbildung der jungen Menschen scheint international bestätigt. Über die Gründe dafür werden viele umfangreiche und teuere Studien angefertigt. Was sind die Gründe für die Veränderungen? Die Gesellschaft, die Menschen und ihre Interessen ändern sich. Die geringeren familiären Bindungen, verursacht durch die Tatsache, dass meist beide Elternteile berufstätig sind und häufig auch sein müssen, führen bereits in den Grundschulklassen nicht selten zu schulischen Problemen. Überfrachtete und überzogene Lehrpläne verursachen bereits in der 4. Klasse der Grundschule Misserlebnissen und Frust, den lernschwache Schüler in die Berufsausbildung mitnehmen. Dazu kommt die Einstellung der Gesellschaft, dass jede Leistung honoriert werden muss. An sich löblich und das Grundprinzip der Betriebswirtschaft, aber ein Todfeind des Lernens. Gleichzeitig bietet unsere Gesellschaft eine soziale Grundsicherung, die manchmal keine Leistung besser honoriert als Arbeit.

Maler Consult: Es soll in Kürze die zweijährige Ausbildung zum "Beschichter" in der .Ausbildungsordnung verankert werden. Wertet sich das Malerhandwerk mit dieser wenig qualifizierten Ausbildung selbst ab?

Michael Bablick: Das Malerhandwerk braucht qualifizierte Mitarbeiter, allerdings mit unterschiedlichen Qualifikationen. Neben den Spezialisten für hochwertige Maler-, Tapezier- und Lackierarbeiten werden Mitarbeiter für die üblichen Beschichtungen, z. B. auf dem Neubau benötigt. Das Malerhandwerk führt mutig und realitätsbewußt die Stufenausbildung ein. Nach der zweijährigen Ausbildung kann nach einem weiteren Jahr Ausbildung die Gesellenprüfung im Maler- und Lackiererhandwerk abgelegt werden, eine Motivation für die guten Lehrlinge. Bislang hatte auch das Maler- und Lackiererhandwerk zahlreiche Auszubildende, die ihre Ausbildung nicht zu Ende führten. Deren Anzahl wird geringer werden und auch diese jungen Menschen erreichen einen Berufsabschluss.

Maler Consult: Die wirtschaftlich angespannte Situation und die ständig steigenden Insolvenzen im Malerhandwerk reißen offensichtlich nicht ab. Halten Sie es aufgrund dieser Situation für nötig die Schwerpunkte in der Meisterprüfung neu zu gewichten. D.h., dass hier betriebswirtschaftliche Komponenten noch mehr erforderlich sind und intensiver geprüft werden sollen?

Michael Bablick: Neue Rahmenlehrpläne und neue Prüfungsordnungen, wie im Maler- und Lackiererhandwerk gerade beschlossen oder doch zumindest auf dem Verordnungsweg tragen dieser Veränderung Rechnung. Durch handlungsorientiertes Lernen anhand von realen Kundenaufträgen werden auch die betriebswirtschaftlichen Komponenten stärker gewichtet. Ein moderner Meister muss Unternehmer sein, der seine Kunden aufgrund seiner fachlichen Kenntnisse und seines psychologischen Einfühlungsvermögens richtig berät, bei dem aber auch die Kalkulation stimmt. Oberste Ziele sind die Zufriedenheit der Kunden und eine erfolgreiche Betriebsführung.

Maler Consult: Können wir von Ihnen in Zukunft eine weitere Buchveröffentlichung erwarten und gibt es neue Sachverhalte über die Sie jetzt schon berichten können.

Michael Bablick: Der Erfolg meiner erst kürzlich in der DVA erschienen 2 Büchern mit Prüfungsfragen und den beiden im Bildungsverlag 1 erschienen Fachbüchern für die Berufsschulen und die Meisterschulen ermutigen mich zu weiteren Buchveröffentlichungen. Sinnvoll sind Nachfolgebücher für die beiden im Bildungsverlag 1 erschienen Bücher für die Berufsschule und die Meisterschule. Der Zeitaufwand dafür ist enorm, genau so groß ist der Reiz, etwas ganz neues zu schaffen.

Maler Consult: Welches Buch oder Bücher können Sie aktuell den Lernenden empfehlen und warum?

Michael Bablick: Als Autor erfolgreicher Fachbücher ist man versucht, die eigenen Bücher zu empfehlen. Dies mache ich nicht. Unverzichtbar für den Lernenden sind die Richtlinien, d. h. die VOB Teil C Teile, insbesondere die DIN 18363 "Maler und Lackierarbeiten sowie die BFS- Merkblätter". Spezielle Fachbücher als Alternative zum "Fachwissen für den Maler und Lackierer" für die fachtechnische Meisterausbildung gibt es nicht. Dieses Buch dürfte zwischenzeitlich zum meist gekauften Buch im Maler- und Lackiererhandwerk geworden sein. Für die Lehrlingsausbildung gibt es zwischenzeitlich einige gute Bücher. Schade ist nur, dass viele Autoren aufgrund mangelnder eigener Erfahrungen nur von anderen Büchern abschreiben. Man muss den Malerberuf schon "von der Picke auf" gelernt haben, um ein fachlich gutes Buch zu schreiben, gutes Deutsch reicht hierfür nicht. Trotz der Vielzahl an Fachbüchern in diesem Bereich fehlt hier "der Knüller".


Vielen Dank für das Interview!