Matthias Heilig


Matthias Heilig

Matthias Heilig ist Chefredakteur der Malerzeitschrift Mappe. Er stammt aus einem Malerbetrieb und studierte Chemieingenieurwesen der Fachrichtung Farben, Lacke, Kunststoffe.
Januar 2007: Matthias Heilig

Maler Consult: Herr Heilig, Anfang des Jahres waren die ersten Bau- und Ausbau-Messen schon am Start. Haben Sie bei Ihren Besuchen einen Trend für das kommende Jahr ausmachen können? Und welche Trends können von dem Malermeister aufgegriffen und praktiziert werden?

Matthias Heilig: Tapeten sind absolut in. Auf der Heimtextil in Frankfurt waren wieder wunderbare Kollektionen zu sehen. Und die Möbelmesse in Köln inszenierte die kommenden Wohnwelten mit den passenden Tapeten. Es gibt also ein Leben jenseits der weiß gestrichenen Raufaser. Es lohnt sich, das Tapezieren neu zu entdecken! Noch nie waren Oberflächen, Dessinierungen und Strukturen vielfältiger – das gilt auch für die Bodenbeläge, die die Aussteller auf der Domotex und der BAU zeigten. Generell hält die ausgeprägte Farbigkeit an. Die zuletzt reanimierten 70er Jahre mit Retro-Look und die nachfolgende Welle der natürlichen Materialien und Farben gehen eine spannende Verbindung ein.

Wärmedämmung war natürlich das große Thema auf der BAU. Das wird uns noch viele Jahre beschäftigen. Hier bieten sich Malerbetrieben nach wie vor Chancen, mit entsprechenden Angeboten dabei zu sein.

Maler Consult: Ein Trend der sich wohl auch in den nächsten Jahren nach wie vor fortsetzt und sich in der Zukunft weiterhin verstärken wird, sind die „Senioren“. Wie muss sich der Malerbetrieb aufstellen, um diesen Markt bedienen zu können?

Matthias Heilig: Zuerst muss man sich klar machen, welche Senioren man bedienen will – die viel zitierte Generation 50+ oder diejenigen, die bereits im Ruhestand sind. Dann kommt es darauf an, die Bedürfnisse und das Konsumverhalten festzustellen ...

Mit diesem Wissen und der Kenntnis der entsprechenden Produkte und Materialien können dann darauf abgestimmte Leistungen angeboten werden, einzeln oder im Paket. Zum Beispiel teilen sich Malerbetriebe und Kunden die Arbeit. Der Kunde schafft selbst Platz und erledigt einfache Vorarbeiten. Oder aber der Maler bietet einen Rundum-Service, räumt aus und hinterher wieder ein und führt eine Endreinigung durch. Eine weitere Möglichkeit ist, die kompletten Baumaßnahmen für barrierefreies Wohnen zu koordinieren und betreuen. Kunden haben dabei nur einen Ansprechpartner. Wichtig ist, die Serviceangebote immer wieder zu überarbeiten und anzupassen, denn Bedürfnisse und Vorlieben ändern sich mit der Zeit.

Maler Consult: Zuletzt wurde im Allgemeinen davon gesprochen, dass die Baubranche boomt. Begründet wurde dies mit der anstehenden Mwst.-Erhöhung in 2007. Jetzt haben wir den Mwst.-Satz von 19%! Wie sehen Sie die Entwicklung für 2007 und darüber hinaus?

Matthias Heilig: Ich meine, die Mehrwertsteuererhöhung wird die derzeit positive Situation der Baubranche nicht gleich wieder zunichte machen. Wie bisher werden Unternehmen wie Verbraucher mit den Verschlechterungen der Rahmenbedingungen leben müssen – sie können sie ja nicht ändern. Unternehmen müssen sich ihre eigene Konjunktur schaffen, in dem sie z. B. Trends aufgreifen und clevere Leistungsangebote damit machen. Auf der anderen Seite müssen die Betriebe mehr unter kaufmännischen Aspekten geführt werden, damit sie die Kostenseite im Griff haben.

Maler Consult: Für enorm viel Zündstoff haben zuletzt auch  die Lieferengpässe von WDVS-Platten gesorgt? Wie kann der Verarbeiter sich bei laufenden Projekten gegen Vertragsstrafen (Verzug) schützen?

Matthias Heilig: Bei laufenden Projekten wird ein Schutz kaum möglich sein. Hier ist von allen Beteiligten Augenmaß, Verantwortungsbewusstsein und soweit als möglich faires Miteinander gefordert. Ansonsten kann Betrieben nur geraten werden, feste, mit einer Datumsangabe versehene Lieferzeiten mit dem Lieferanten zu vereinbaren und zugleich Ausführungszeiten mit dem Bauherren unter den Vorbehalt der rechtzeitigen Materiallieferung zu stellen – was vor allem Dämmstoffe aus Polystyrol und Mineralwolle betrifft. Ein Ausweg kann die Dämmung mit alternativen Dämmstoffen wie Holzfaser oder Schaumglas sein. Einfach mal anbieten!

Maler Consult: Die „Mappe“ hat sich neu aufgestellt. Was hat Sie dazu veranlasst und welche Verbesserungen erwarten den Leser jetzt?

Matthias Heilig: Nach 10 Jahren war es einfach an der Zeit, Veränderungen an der Zeitschrift und ihren Zusatzprodukten vorzunehmen. Lese- und Kommunikationsverhalten haben sich in dieser Zeit geändert, was man übrigens am besten an sich selbst merkt. Wie im Malerhandwerk und jeder anderen Branche auch sollte man sich mit seinem Angebot eindeutig positionieren und vom Wettbewerb unterscheiden. Auf die neue Mappe bezogen heißt das, dass im gesamten redaktionellen Angebot verstärkt Stellung bezogen und Meinung geäußert wird, durch die Redaktion selbst als auch durch Autoren und die Leserschaft. Kritik verstehe ich aber nicht als Selbstzweck, sondern als konstruktive Auseinander­setzung in der Sache zum Nutzen unserer Leser, den Malerunternehmen. Am deutlichsten wird dieses Anliegen in der neuen Rubrik »Mappe Brisant«, die Themen aufgreift, die Maler und die Branche bewegen. Dort sollen sich die Leser ausdrücklich einmischen. Ausgebaut wurde auch die Aspekte der Lesernähe und des Lesernutzens, indem in der Rubrik »Maler unternehmen« Vor-Ort-Reportagen und Berichte über Ideen, Konzepte und Strategien aus der täglichen Berufspraxis der Malerbetriebe gebündelt vorgestellt werden.

Die ganze ist nun in ein neues, aufgelockertes Layout verpackt, um die Informationen leichter fassbar zu machen. Gleichzeitig wurden Titel und Logo einprägsamer gestaltet – Stichwort Markenbildung, was z. B. auch am Relaunch von mappe.de, am neuen Malertaschenbuch sowie an Mappe Mail, dem Newsletter der Mappe, abzulesen ist. Alle diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass die Mappe unabhängiger, eigenständig und unverwechselbar ist und den Anspruch an Meinungs- und Qualitäts­führer­schaft unter den Malerzeitschriften erfüllt.


Vielen Dank für das Interview!