Dr. Klaus Murjahn


Dr. Klaus Murjahn

Dr. Klaus Murjahn ist Firmenchef der seit 1895 bestehenden Unternehmensgruppe Deutsche Amphibolin-Werke, die dem Verarbeiter unter dem Namen Caparol besser bekannt ist. Europaweit zählt das Unternehmen zu den ersten Adressen der Farben- und Lackanbieter. Die Firmengruppe erzielt international ein Umsatzvolumen von 750 Millionen Euro. An 14 Produktionsstandorten im In- und Ausland sind insgesamt rund 4000 Mitarbeiter beschäftigt, davon 1400 am Sitz der Zentrale im hessischen Ober-Ramstadt.
November 2003: Dr. Klaus Murjahn

Maler Consult: Herr Dr. Murjahn, ein Ende der wirtschaftlich rückläufigen Situation in der Bauindustrie ist nicht in Sicht. Welche Auswirkungen hat dies auf Ihr Unternehmen, und wie positionieren Sie es für die Zukunft, sowohl national als auch international?

Dr. Murjahn: Auch an unserem Unternehmen ist die Wirtschaftskrise der letzten Jahre nicht spurlos vorübergegangen. Wir haben sie als Herausforderung verstanden und unter der Überschrift „Zukunftsplan DAW“ Maßnahmen zur Kostendegression und Effizienzsteigerung in allen Unternehmensbereichen auf den Weg gebracht. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Reformpakets ist die Neuausrichtung unserer deutschen Vertriebsorganisation und eine engere und verbindlichere Zusammenarbeit mit unseren Vertriebspartnern im Großhandel. Wir sehen auf diese Weise große Chancen, trotz der veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in nächster Zukunft einen deutlichen Wachstums- und Ertragsschub zu generieren. Angesichts der seit Jahren negativen Baukonjunktur, einer sich nach wie vor weiter verschlechternden Wirtschaftssituation in Deutschland und dem damit einhergehenden verschärften Wettbewerb im Markt für Bautenanstrichmittel haben wir frühzeitig Anpassungmaßnahmen vorgenommen. Dadurch ist es uns gelungen, interne Geschäftsabläufe zu vereinfachen, Kosten zu senken und die Produktivität zu erhöhen. Kostensenkungsprogramme alleine reichen jedoch nicht aus, um in einem schwierigen Marktumfeld weiterhin erfolgreich zu sein. Die Caparol-Firmengruppe hat deshalb schon seit langem die Internationalisierung vorangetrieben und ist heute mit Produktionsgesellschaften in Österreich, Italien, Schweden und Frankreich sowie Vertriebsstützpunkten in der Schweiz, Holland, Belgien und fast allen osteuropäischen Ländern einschließlich Rußland vertreten. Diese Auslandsaktivitäten haben dazu geführt, Rückgänge im deutschen Markt zu kompensieren. In Deutschland haben wir als Marktführer eine nach wie vor starke Position, die wir trotz der momentan schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse in Zukunft weiter ausbauen wollen. Besonders große Chancen und überdurchschnittliche Wachstumsmöglichkeiten für unser Unternehmen sehen wir jedoch in den nächsten Jahren jenseits der deutschen Grenzen. Hier genießen wir als deutsches Traditionsunternehmen im Familienbesitz mit einer über 100jährigen Geschichte und als verläßlicher Partner heute schon hohes Ansehen.

Die Märkte im Ausland bieten Investoren allerdings nicht nur Wachstumschancen, sondern auch besondere Risiken. So haben wir bei der Expansion ins Ausland bisweilen auch Lehrgeld zahlen müssen. Heute gehört die Caparol-Firmengruppe mit ca. 750 Millionen Euro Umsatzvolumen zu den führenden Anbietern der Bautenanstrichmittelhersteller und ist damit zugleich das viertgrößte Unternehmen unserer Branche in Europa - nach den großen internationalen Konzernen Akzo, ICI und Sigma-Kalon. Von diesen großen internationalen Anbietern unterscheidet sich die Caparol-Gruppe durch ihre besondere Kultur als Privatunternehmen. Insgesamt sind an den verschiedenen Standorten ca. 4000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Auslandsumsatz konnte in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert werden. Sein Anteil am Gesamtumsatz der Caparol-Firmengruppe beträgt inzwischen rund 35 Prozent. Nachdem wir in Westeuropa gut aufgestellt sind, gilt unser besonderes Interesse den Märkten in Osteuropa und Asien. In der Türkei ist es uns gelungen, mit unserem Joint-venture-Partner und Lizenznehmer Betek eine dominante Rolle auf dem Gebiet der Bautenanstrichmittel einzunehmen. In mehreren osteuropäischen Wachstumsmärkten (u.a. Rumänien, Rußland) haben wir Produktionsstätten etabliert. Unser Produktionsstandort in Dubai bedient Kunden im arabischen Raum und in Afrika. In China haben wir jetzt zusätzlich zu dem bereits existierenden Jointventure von Alligator ein weiteres Caparol-Jointventure gegründet.

Grundsätzlich hat es sich in allen Märkten bewährt, sich auf die Stärken unseres Unternehmen zu konzentrieren. Die Caparol-Firmengruppe verdankt ihren Erfolg vor allem ihren Kernkompetenzen. So wird zuallererst im In- und Ausland immer wieder der hohe Qualitätsstandard der umweltfreundlichen und gesundheitlich unbedenklichen Caparol-Produkte geschätzt. Unsere Top-Qualitäten genießen entsprechend dem Motto „Von Caparol und deshalb gut“ als Farben der Spitzenklasse großes Renommee. Dieser Ruf ist in über 100 Jahren entstanden, und darauf sind wir stolz. Entwicklung und Anwendungstechnik besitzen bei Caparol schon immer einen hohen Stellenwert. Zum Ausdruck kommt diese technische Kompetenz in unserer Innovationsfähigkeit. Wir sind das Pionierunternehmen bei wasserverdünnbaren umweltfreundlichen Systemen. Caparol hatte sich schon vor Jahrzehnten das Ziel dieser Entwicklung mit der Philosophie gesetzt, emissionsminimierte und lösemittelfreie Werkstoffe herzustellen. Neben der Umweltproblematik ist der Gesundheitsaspekt von besonderer Bedeutung. Hier ist es gelungen, mit der jetzt patentierten Innenfarbe Caparol Sensitiv, der ersten Dispersionsfarbe ohne Konservierungsstoffe, einen neuen Qualitätsstandard zu setzen, um den Themen Ökologie und Gesundheitsbewußtsein den richtigen Stellenwert beizumessen. Mit dem Caparol-Clean-Concept® hat Caparol zudem die Ergebnisse eines mehrere Jahre dauernden Forschungsprojektes umgesetzt. Das Resultat sind besonders verschmutzungsresistente Fassadenbeschichtungen wie AmphiSilan, Thermosan und AmphiSilan-Putz, deren Einsatz sich überall dort empfiehlt, wo Verschmutzung ein besonderes Problem darstellt. Das spezielle Know-how von Caparol auf dem Gebiet der Bautenanstrichmittel und die Verbindung von Produkt- und Umweltqualität bringt unseren Kunden Wettbewerbsvorteile auf ihren nationalen Märkten.

Eine weitere herausragende Stärke der Caparol-Firmengruppe ist die Breite des Sortiments. Wir sind ein Komplettanbieter für alle Bedürfnisse des Malerhandwerks und den Schutz und die Verschönerung von Architektur. Zusammen mit dem Angebot der Großhandelsniederlassungen bieten wir damit u.a. dem deutschen Handwerk eine unerreichte Lösungskompetenz, die wir durch unsere professionelle technische Beratung und die Kundennähe unseres Außendienstes zusätzlich unterstützen.

Wir legen großen Wert auf die Nähe zu den Handwerkern, deren Innungen, Verbänden und Institutionen. Diese auch weiterhin zu pflegen ist uns ein wichtiges Anliegen.

Schließlich zeichnen wir uns durch unsere Gestaltungskompetenz aus: Das Angebot von Caparol an Materialien zur innovativen, kreativen und ästhetischen Gestaltung von Fassaden- und Innenräumen ist unübertroffen. Es beeindruckt Auftraggeber, Architekten und Handwerker gleichermaßen. Nicht nur das klassische Farben- und Lacksortiment mit seiner dekorativen Leistungsstärke, sondern auch Capapor-Fassadenprofile, Meldorfer Flachverblender, die Capatect-Naturstein-Leicht-fassade und extra leichte Capatect Lithoboard-Natursteinelemente für den Innenausbau sind Beispiele für diese Gestaltungskompetenz. Hinzu kommen umfangreiche Service-Einheiten wie das Farbdesign-Studio oder der Planerservice. Schon auf der Messe Farbe 2002 hat Caparol eine Gestaltungsvielfalt für Innenräume und Fassaden angeboten, die sich deutlich von der Konkurrenz abhob. Die Vielzahl von Produkten und Hilfsmitteln von der CD-ROM Caparol Spectrum und dem Farbharmoniefächer 3D-Concept bis hin zur 3D-Concept Box oder der Farbtonkarte CaparolColor sucht ihresgleichen.

Angesichts all dieser Stärken und Anstrengungen bin ich guter Hoffnung, daß es uns gelingen wird, trotz des konjunkturellen Gegenwinds unsere führende Marktstellung in Deutschland nicht nur zu behaupten, sondern auszubauen. Wir werden konsequent unser Fitneßprogramm weiterverfolgen und haben deshalb für die nächsten Jahre trotz des negativen konjunkturellen Umfeldes die Chance, in Deutschland und auf den Auslandsmärkten weitere Fortschritte zu machen. Wir sind zuversichtlich, aufgrund der durch die Strukturreformen der jüngsten Zeit geschaffenen, noch besseren Voraussetzungen auch in den nächsten Jahren unseren Erfolgskurs fortsetzen zu können. Es ist unser erklärtes Ziel, den gestreiften Caparol-Elefanten als Symbol für Qualität im In- und Ausland einen noch größeren Bekanntheitsgrad zu verschaffen.

Maler-Consult: Vor drei, vier Jahren ist in den Fachmedien der „Lotus-Effekt“ heftig diskutiert worden. Hat die Forschung diesbezüglich neue Erkenntnisse? Wie ist der heutige Stand?

Dr. Murjahn: Mit dem Caparol Clean Concept hat unsere Firmengruppe für die Fassade eine eigene Philosophie entwickelt. Die Verschmutzungstendenz eines Fassadenanstrichs ist - wie Sie zutreffend feststellen - seit Jahren von großem Interesse. Daher startete Caparol ein Forschungsprojekt, das alle Rezepturbestandteile unter die Lupe genommen und die besten Rohstoffe ermittelt hat, um besonders schmutzunempfindliche Anstrichmittel anbieten zu können. Nach jahrelangen Versuchsserien, gezielter Rohstoffauswahl und definierten Herstellungsverfahren wurden Werkstoffe entwickelt, die langfristig saubere Fassaden garantieren. Dabei setzt die Caparol-Forschung auch auf die Nanotechnologie. Durch das Verwenden definierter Pigment-Füllstoff-Kombinationen entstehen nanostrukturierte Oberflächen, die das Anhaften von Schmutzpartikeln reduzieren. Ein Verkleben von Schmutzpartikeln an der Oberfläche wird dadurch minimiert, daß auf thermoplastische oder hydroplastische Ausgangsstoffe verzichtet wurde. Organische Schmutzpartikel, die an der Oberfläche anhaften können, werden mit Hilfe von fotokatalytisch wirkenden Pigmenten abgebaut. Durch Siliconharzbindemittel mit niedriger Oberflächenspannung entsteht eine Kapillarhydrophobie, die zur Reduktion der Wasseraufnahme führt, ohne daß dadurch eine Sperre für den aus dem Inneren des Gebäudes entweichenden Wasserdampf entsteht. So können Fassaden schnell austrocknen und dauerhaft trocken bleiben. Das Caparol Clean Concept setzt also auf die Kapillarhydrophobie und nicht auf die Oberflächenhydrophobie, um die Verschmutzung von Fassaden möglichst gering zu halten. Ein zu starker Abperleffekt auf der Oberfläche führt nach unseren Beobachtungen zu Flecken und Schmutzläufern. Auf der Basis des Caparol Clean Conceptes sind bisher die Fassadenfarben Amphisilan und Thermosan sowie der Amphisilan-Fassadenputz rezeptiert. Wir setzen also nicht auf den Lotus-Effekt, sondern auf eine ganzheitliche Rezepturoptimierung.

Maler-Consult: Das hauseigene Schulungszentrum „Haus des Handwerks“ besteht nun seit fünf Jahren. Können Sie sagen, daß es sich als Zentrum der Kommunikation und Kreativität in der Maler-Szene etabliert hat? Und gibt es überhaupt vergleichbare Projekte in Deutschland?

Dr. Murjahn: Es gibt ein großes Bedürfnis bei unserer Kundschaft aus dem Handwerk nach Fortbildung und Schulung in modernen Verarbeitungsmethoden. Durch unser „Haus des Handwerks“ (HDH) haben wir optimale Rahmenbedingungen für diese wichtige Dienstleistung geschaffen. Jährlich finden weit über 100 Seminare statt, in denen wir in Theorie und Praxis auch die Anwendung gestaltungsrelevanter Werkstoffe thematisieren. Aufgrund der positiven Resonanz unser Kunden bin ich der Meinung, daß die bei der Eröffnung verkündete Zielsetzung, das „Haus des Handwerks“ zu einem „Zentrum der Kommunikation und Kreativität“ werden zu lassen, realisiert wurde. Das HDH gehört sicher in der Branche zu den architektonisch bemerkenswertesten Bauprojekten der vergangenen Jahre. Das starke Interesse unserer Kunden an den dort angebotenen Lehrveranstaltungen spricht sowohl für deren inhaltliche Qualität als auch das eindrucksvolle Ambiente im Schulungszentrum.

Maler-Consult: Laut Regierung soll es in Zukunft möglich sein, einen Handwerksbetrieb auch ohne Meisterbrief zu führen. Was halten Sie von der augenblicklichen „Meisterbrief-Debatte“? Wie bewerten Sie den Meisterbrief? Ist er tatsächlich ein „Muß“ für die Führung eines Handwerksbetriebes oder eher ein Marketing-Instrument?

Dr. Murjahn: Ich sehe mit Grausen, wie unsere Politiker einen unserer Standortvorteile ohne Not in Frage stellen bzw. abschaffen wollen. Eine weitere wirtschafts- und handwerksfeindliche Maßnahme, die, wenn sie wahr wird, uns noch tiefer in die Krise führt. Grundsätzlich sollte es den Meisterbrief als Voraussetzung weiter geben. Als Gütesiegel stellt er nicht nur hohes handwerkliches Können und Qualität sicher. Bei den Meisterkursen werden die Teilnehmer zudem mit weiteren Kenntnissen ausgestattet, die notwendig sind, einen Betrieb zu führen. Es gibt mit Sicherheit Gesellen, deren Qualität dem handwerklichen Können eines Meisters entspricht oder sogar überlegen ist. Doch sollten auch sie im Rahmen einer Qualifizierung mit den Grundkenntnissen der Betriebsführung vertraut gemacht werden. Der Meisterbrief dient natürlich auch dazu, die Qualität der Lehrlingsausbildung zu garantieren. Es muß sicher sein, daß sie sich auf hohem Niveau bewegt.

Maler-Consult: Kürzlich sind Sie zum Vizepräsidenten des Verbandes der deutschen Lackindustrie (VdL) gewählt worden. Mit welchen Aufgaben ist Ihr Amt verbunden?

Dr. Murjahn: Die Interessen der Lieferindustrie und des Handwerks auch in diesen Gremien angemessen zu vertreten.


Vielen Dank für das Interview!