Jürgen Hinz


Jürgen Hinz

Jürgen Hinz, geboren am 28.09. In Hamburg ist Präsident des Hauptverbandes Farbe, Gestaltung und Bautenschutz.
Nach der Ausbildung zum Diplom Kaufmann, und erfolgreicher Meisterprüfung, übernahm er 1979 den vormals elterlichen Betrieb.
Herr Hinz ist außerdem:
Mitglied des Vorstandes der internationalen Malerunion UNIEP
Vorsitzender der Kommission Bundes einheitliche Meisterprüfung im Maler- und Lackiererhandwerk.
Meisterprüfungsausschuß HWK - Hamburg.
Vorstand Maler- und Lackiererinnung Hamburg
Mai 2004: Jürgen Hinz

Maler Consult: Zunächst mal möchten wir Ihnen zur Präsidentschaft des Hauptverbandes Farbe, Gestaltung und Bautenschutz gratulieren. Herr Hinz, welche Ziele haben sie sich als neuer Präsident gesetzt und was sehen Sie in Ihrem Amt als größte Herausforderung?

Jürgen HInz: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten gilt es sich der Verantwortung zu stellen, in der Berufsgemeinschaft zusammen zu stehen und gemeinsam zu kämpfen. Unsere Aufgabe ist es, die Mitgliedsbetriebe mit ihrem besonderen Qualitätsprofil am Markt zu plazieren. Vorrangig kämpfen wir darum, das Rahmenbedingungen von der Politik gesetzt werden, die uns nicht weiter belasten und behindern. Grundlegende Veränderungen in der Steuer- und Sozialpolitik, die uns von Lohnnebenkosten entlasten, sind notwendig. Verläßlichkeit in politische Entscheidungen muß her, damit Investitionen ausgelöst werden, die unsere Auftragsbücher füllen.

Maler-Consult: Alle Welt spricht von der EU Osterweiterung. Wie wird sich Ihrer Meinung nach die EU - Osterweiterung auf das Maler- und Lackiererhandwerk auswirken. Wo sehen Sie die Risiken und wo die Chancen?

Jürgen HInz: Zum europäischen Einigungsprozess gibt es keine Alternative. Die EU- Osterweiterung steht in engem Zusammenhang mit der dauerhaften Sicherung von Frieden in Europa. Über den zu erwartenden höheren Export in die neuen EU- Staaten erhoffen wir uns eine Belebung der schwachen Binnenkonjunktur. Das starke unterschiedliche Lohngefälle birgt die große Gefahr von weiteren Verwerfungen am Markt. Das gilt besonders für unser personalintensives Handwerk. Die jetzt geschaffenen Übergangsfristen und unserer tariflichen Regelungen zum Mindestlohn sind der Versuch dies "abzufedern", gänzlich auszuschließen wird das nicht sein.
Um so wichtiger ist es, daß unsere Betriebe eine größtmögliche Flexibilität erhalten, das Personalmanagement wird an Bedeutung gewinnen.

Maler-Consult: Zwar sind noch nicht alle Einzelheiten der Gesetzestexte bekannt, aber eins ist beschlossene Sache, die Maler und Lackierer bleiben der Anlage A der HWO zugeordnet. Der Meisterbrief bleibt als Zugangsvoraussetzung. Was glauben sie waren die letztendlich durchschlagenden Argumente für diese Entscheidung.

Jürgen HInz: Neben der "Gefahrengeneigtheit" galt als Kriterium für die Aufnahme in die Anlage A der Handwerksordnung eine überdurchschnittlich hohe Ausbildungsplatzquote, die um 50 Prozent über dem Durchschnitt der gewerblichen Wirtschaft liegt. Die Meisterausbildung in unserem Gewerk lag uns besonders am Herzen, denn wir können Marktchancen nur erringen, wenn wir uns vom "do it yourself" abgrenzen. Diesen Qualitätsgedanken wollen wir mit der Kampagne "Malerfachbetrieb, mit Brief und Siegel" nach außen bringen. Grundlage ist und bleibt die meisterliche Ausbildung, die durch die Neuordnung der HWO, bestätigt werden. Genauso wichtig aber ist die fachliche Fortbildung über die Angebote der Fachorganisation.

Maler-Consult: Herr Hinz, die Karrieremöglichkeiten für Maler und Lackierer sind größer geworden. Künftig wird es außer dem Meister und dem Gesellen noch den Bauten - und Objektbeschichter , so wie den Vorarbeiter und Baustellenleiter als Qualifikation geben. Was versprechen Sie sich von diesen neuen Ausbildungsmöglichkeiten bzw. dieser Staffelung?

Jürgen HInz: Unser vorrangiges Ziel muß es sein, gut qualifizierte Lehrlinge zu erhalten. In den nächsten Jahren wird uns die Masse und damit die Klasse an Lehrstellenbewerbern nicht zur Verfügung stehen. Mit der neuen Ausbildungsordnung erhöhen wir die Vielfalt der Tätigkeiten und Karrieren im Maler- und Lackiererhandwerk. Wir erhöhen mit der neuen Ausbildungsordnung aber auch das Anforderungsprofil, um mehr "Klasse statt Masse" zu erhalten. Unterhalb des Gesellen wird die Tendenz zunehmen, weitere Berufsabschlüsse wie den Bauten- und Objektbeschichter anzubieten. Aber noch wichtiger wird für uns sein, die Ausbildung der Führungskräfte, sowohl unter wie auch oberhalb des Meisters praxisnah zu gestalten und anzubieten. Als Verband können wir hier einheitliche Qualifikationsmaßstäbe setzen, die insgesamt ihre Anerkennung finden werden.

Maler-Consult: Sie sind auch Mitglied des Vorstandes der internationalen Malerunion UNIEP. Welche Aufgaben und Schwerpunkte setzt sich die internationalen Malerunion UNIEP und welchen Nutzen kann der Malerbetrieb hier in Deutschland von dieser Vereinigung erwarten.

Jürgen HInz: Die umfassende Interessenvertretung gegenüber der Politik, in der Technik, Bildung und im Tarif- und Arbeitsrecht auf europäischer Ebene sind hier die Schwerpunkte. Die Fachorganisation erkämpft als UNIEP-Mitglied heute ein Vielfaches an Vorteilen für die Betriebe. Die Verabschiedung der 2. europäische Lösemittel Richtlinie ("Decopaint") ist ein Beispiel. Das Maler- und Lackiererhandwerk in Europa (insbesondere Hauptverband, UNIEP und FOSAG) und die europäischen Lackverbände haben erhebliche Anstrengungen unternommen, um realistische Zielwerte bei den produktbezogenen Reglementierungen durchzusetzen.

Wir schauen als Mitglied der UNIEP immer auch über die Grenzen auf die Arbeit unserer Kollegen in anderen Ländern. Dadurch profitieren unsere Betriebe durch internationalen Erfahrungsaustausch, denn gute Ideen, die in einem Land bereits verwirklicht sind, können wir aufgreifen und das eine oder andere auch bei uns umsetzen. Gleiches gilt natürlich umgekehrt. Zum europäischen Einigungsprozess gibt es keine Alternative, wenn auch in Zukunft ein Leben in Frieden und Freiheit in Europa Bestand haben soll. Eine wichtige Aufgabe ist es, die Entscheidungen auf der europäischen Ebene für unsere Betriebe transparenter zu machen. Nicht zuletzt ist auch hier der funktionierende Austausch über die UNIEP hilfreich.


Vielen Dank für das Interview!