Prof. Johanna Staniczek


Prof. Johanna Staniczek

Meisterschülerin an der Hochschule der Künste Berlin
Lehrtätigkeit an der HdK Berlin von 1992-2000
Seit 2001 Professur für Malerei und Grafik an der Justus-Liebig-Universität Giessen

Forschungsschwerpunkte: u.a. Architektur und raumbezogene Malerei; bildnerische Versuche zum Thema „Natur und Konstruktion“; Thematik der Werkgruppen und Serien: Raumillusion, Formbildung, Farbfeldmalerei, Grafik und Malerei in Beziehung zueinander; Malerei und Fotografie.
Aktuelles Projekt mit Studierenden der JLU-Giessen: Ortsspezifische Kunst am Beispiel des Musik- und Kunstvereins Giessen (MuK) e.V. Giessen
Juli 2003: Prof. Johanna Staniczek

Maler Consult: Frau Prof. Staniczek, in den letzten Jahren haben Sie sich verstärkt mit dem Thema Kunst am Bau bzw. Kunst und Architektur auseinandergesetzt. Wie gestaltet sich der Zusammenhang zwischen Kunst, Bauen und Architektur?

Prof. Johanna Staniczek: Historisch gesehen haben Bauen, Kunst und künstlerische Gestaltung von Häusern immer schon zusammengehört. Bei Renaissance-Bauten, Häusern des Barock und Jugendstilbauten beispielsweise, spielten das Handwerk und die Kunst noch eine bedeutende Rolle. In der Zusammenarbeit zwischen Künstlern, Architekten und Handwerk fand diese Tradition am Bauhaus Ihre Fortsetzung. Durch das vornehmlich industrielle Bauen nach dem Krieg, verschwand diese Tradition. Hier verdrängten Reihenhäuser die alte Bauweise mit Unikat Charakter. Die Komponente „Kunst“ wurde somit immer mehr in den Hintergrund gedrängt.

Maler Consult: Findet denn heutzutage noch überhaupt ein Zusammenwirken zwischen dem Künstler, Architekten und Handwerker nennenswert statt?

Prof. Johanna Staniczek: In Zeiten der Rezession sind künstlerische Ausformulierungen leider nicht sehr gefragt. Auch der Wegfall des Prozentsatzes für Kunst am Bau bei öffentlichen Projekt wurde bedauerlicherweise abgeschafft. Dennoch gibt es Bauherren, die an ein Mitwirken von Künstlern interessiert sind.
So arbeite ich aktuell als Künstlerin selbst, an einem Projekt der Reha-Klinik Rudolf Wisselll der LVA Berlin in Bad Kissingen.

Maler Consult: Wie sollte Kunst idealerweise am Bau eingebracht werden?

Prof. Johanna Staniczek: Wichtig ist, dass ein Gebäude nicht mit „künstlerischem Beiwerk“ im Nachhinein dekoriert wird. Die künstlerische Konzeption, dass heißt die gesamte Gestaltung des Gebäudes muss eine schlüssige und ortsspezifische Einheit mit dem Bauen bilden. Bei einem sorgfältig geplanten Standort wird eine enge Verbindung von Raum, Licht und Bauart geschaffen. Die Kunst gibt dem Raumerlebnis der Architektur eine neue Dimension. Da können selbst trostlos wirkende Flure in Krankenhäusern oder Verwaltungsgebäuden zu besonderen Orten werden.

Maler Consult: In welcher Form kann das Handwerk, im speziellen das Malerhandwerk, bei der künstlerischen Ausgestaltung mitwirken?

Prof. Johanna Staniczek: Abhängig von dem Planungskonzept, gibt es unterschiedliche Varianten der Kooperation. Eine Möglichkeit ist sicher die Realisierung von Farbkonzepten, die zum einen auf der Basis von speziellen Künstlerpigmenten bestehen können oder aber sich an den gängigen Farbtonkarten orientieren. Ersteres war beispielsweise im Filmhaus „am Potsdamer Platz“ (Sony Center) der Fall, wo die Zusammenarbeit zwischen Architekt, Künstler und Malerbetrieb vorzüglich funktionierte.

Maler Consult: Sollte vielleicht, aus der Sicht des Malerhandwerkes, eine Kooperation zwischen Malerbetrieb und Künstler verstärkt beworben werden? Ja besteht sogar Potential, mit dieser Konstellation eine Marktnische erfolgreich zu besetzen?

Prof. Johanna Staniczek: Das ist durchaus denkbar. In Zeiten der Spezialisierung können im Objektbereich künstlerische Konzeptionen und die entsprechende Ausführung sicher auf Resonanz stoßen. Der Auftritt als Team bzw. als eine Einheit, mit einer gemeinsamen Strategie, kann sich für beide Seiten als vorteilhaft erweisen.


Vielen Dank für das Interview!