Heinz Werner Bonjean


Heinz Werner Bonjean

Geboren 1945. Studierter Diplom-Volkswirt, Maler- und Lackierermeister, Kölner und Karnevalist aus Leidenschaft. Seit 1981, in dritter Generation, ist Heinz Werner Bonjean geschäftsführender Gesellschafter der Bonjean GmbH Farbe Gestaltung Bautenschutz, außerdem der Heinrichs GmbH Malerbetriebe, WETEC Werbetechnik Köln GmbH und beschäftigt rund 40 Mitarbeiter in 27 Gewerken. Dazu ist er neben Tätigkeiten in mehreren Verbänden, als Beirat in der freien Wirtschaft und der Handwerkskammer zu Köln Präsident des Hauptverbandes Farbe, Gestaltung und Bautenschutz mit Sitz in Frankfurt.
März 2003: Heinz Werner Bonjean

Maler Consult: In den letzten Tagen und Wochen fanden Handwerks-Demos in Berlin, Stuttgart, München und Leipzig statt. Wie stehen Sie zu solchen Maßnahmen? Und wie schätzen Sie die Wirkung ein?

Heinz Werner Bonjean: Sie zeigen die Verunsicherung über eine orientierungslose Politik, die Wut über ignorante Politiker und die Not, in der sich Selbstständige und Mitarbeiter auf dem Weg in ein Dritte-Welt-Land befinden(allmächtiges Kapital, korrupte Politiker, Arbeit nur für Arme). Es muss noch viel demonstriert werden, um Wirkung zu erreichen.

Maler Consult: Superminister Wolfgang Clement hat seine ersten Monate als Vertreter des Handwerks hinter sich. Was halten Sie von seiner Arbeit bisher? Und welche Maßnahmen halten Sie für zwingend?

Heinz Werner Bonjean: Wenn jemand mit dem Handwerk (und Mittelstand) spielt, ist er noch lange kein „Vertreter“. Clement hat einige wirtschaftliche Einsichten – doch die Politik geht vor (siehe Handwerksordnung).

Maler Consult: Die meisten europäischen Pleiten gab es in den vergangenen Jahren in Deutschland. Sie sind nicht nur Präsident des Hauptverbandes, sondern auch Unternehmer im Handwerk. Was tun Sie konkret gegen die wirtschaftliche Krise?

Heinz Werner Bonjean: Pleite ist ein schleichender Prozess. Bei vermachteten Märkten (Auftraggeber bestimmt Preis und Konditionen) stehen Konditionen- und strikte Kostenkontrolle vor ruinösem Wettbewerb. Dies habe ich mit neuem Partner im Betrieb (Nachfolgeregelung) getan.

Maler Consult: Was empfehlen Sie aus der Erfahrung Ihres Betriebes dem, der die interne Nachfolge sinnvoll regeln will?

Heinz Werner Bonjean: Der Betrieb muss Alt- und Junginhaber ernähren können, sonst besser schließen und Privateigentum und Konsum anders einsetzen.

Maler Consult: In den 90-er Jahren ist es dem Schreiner-Handwerk gelungen, jede Menge Abiturienten für die Ausbildung zu gewinnen. Die Stimmen mehren sich, auch die Ausbildung im Malerhandwerk attraktiver und innovativer zu gestalten, damit Abiturienten für die Ausbildung gewonnen werden. Denken Sie, das ist machbar? Und wenn ja, was sind hier die entscheidenden Aspekte?

Heinz Werner Bonjean: Unsere neue Ausbildungsordnung und Meisterprüfungsordnung (die Clement wie vieles andere auf Eis gelegt hat, um Spielraum für Regulierung zu finden), zudem Weiterbildung und parallele Ausbildungsgänge Schule und Betrieb sieht das vor.

Maler Consult: Eine zweijährige, weniger qualifizierte Ausbildung zum „Beschichter“ soll im Rahmen der Ausbildungsverordnung neu eingeführt werden. Steht das nicht im Widerspruch zum Wunsch , den Ausbildungsberuf attraktiver zu gestalten?

Heinz Werner Bonjean: Um Gesellen- und Meisterbrief in hoher Qualität zu erhalten und gleichzeitig dem gesellschaftlichen Auftrag nachzukommen, möglichst vielen und auch schlecht vorbereiteten Jung-Schülern eine Ausbildung zu ermöglichen, ist die Variation notwendig. Sie bildet außerdem den europaweit niedrigsten vergleichbaren Abschluss.


Vielen Dank für das Interview!