Eberhard Schilling


Eberhard Schilling

Geboren 1954. Studium der Betriebswirtschaft in Nürtingen und Tübingen. Seit 1983 Lehrtätigkeit an der Schule für Farbe und Gestaltung in Stuttgart; dort zuständig für die Maler-Fachschulen. Zahlreiche Fachartikel in den Bereichen Abrechnung, VOB, Marketing und Controlling. Autor der Bücher Abrechnung und Aufmaß sowie Auftragsabwicklung.
Juni 2007: Eberhard Schilling

Maler Consult: Herr Schilling, seit der Neuauflage der VOB 2006 gibt es auch zu den Abrechnungsvorschriften im Malerhandwerk wesentliche Veränderungen. In der Neufassung Ihres Buches „Abrechnung und Aufmaß“ was kürzlich erschienen ist, ist alles im Detail beschrieben. Welche wesentlichsten Änderungen können Sie uns hier in Kürze benennen?

Eberhard Schilling: Zunächst muss daran erinnert werden, dass bereits im Januar 2005 die ATV DIN 18340 „Trockenbauarbeiten“ und die ATV DIN 18345 „Wärmedämm-Verbundsysteme“ neu in die VOB aufgenommen wurden. Beide DIN-Vorschriften sind natürlich für das Malerhandwerk von Bedeutung. Gleichzeitig wurde die DIN 18350 „Putz- und Stuckarbeiten“ grundlegend überarbeitet. Dies konnte nicht ohne Auswirkungen für die DIN 18363 „Maler- und Lackierarbeiten – Beschichtungen“ bleiben. Eine wichtige neue Regelung, die nun in allen genannten Vorschriften enthalten ist, betrifft die Abrechung von Leibungen.

Bisher war eine Abrechnung von Leibungen nur bei Öffnungen und Nischen über 2,5 m² möglich. Nach der neuen Regelung dürfen nun alle bearbeiteten Leibungen gesondert gerechnet werden. Sieht das Leistungsverzeichnis selbständige Positionen für Leibungen vor, sind diese nach Längenmaß abzurechnen. Die Breite der Leibung spielt dann keine Rolle. Sind keine eigenen Positionen für Leibungen vorhanden, können diese wie bisher auch nach Flächenmaß abgerechnet werden.

Eine zweite wichtige Änderung betrifft die Abrechnung aus Bauplänen. Die neue DIN 18363 und die neue DIN 18366 regeln jeweils im Abschnitt 5.1.1, dass grundsätzlich nur mit dem Maß der behandelten Fläche abgerechnet werden darf. Die bisherige Unterscheidung in eine Leistungsermittlung nach Zeichnung und nach Aufmaß (vor Ort) entfällt. Es gelten die Maße des fertigen Bauteils und der fertigen Aussparung. Dort wo Baupläne die Grundlage für die Abrechnung bilden, ist aus den Rohbaumaßen unter Berücksichtigung von Estrichhöhen und Putzstärken das tatsächliche Maß zu ermitteln. Das ist allerdings praxisuntauglich, weil sich kein Mensch die Mühe macht, die Planmaße im Innenbereich um die Putzstärke zu reduzieren. Im Zweifel sollte mit dem Auftraggeber im Voraus vereinbart werden, dass die Maße aus der Bauzeichnung ohne Berücksichtigung von Putzstärken übernommen werden dürfen. Eine Berücksichtigung des Estrichs bei der Raumhöhe ist wird sich jedoch durchsetzen.

Maler Consult: Wie sehen Sie die Änderungen aus Sicht des Malerbetriebes. Sind die neuen Regelungen eher ein Vorteil oder eher ein Nachteil? Können Sie dies evtl. auch in einem Prozentsatz benennen?

Eberhard Schilling: Wie bei vielen Neuregelungen gibt es sowohl Vorteile als auch Nachteile. Die Abrechnung aller bearbeiteten Leibungen ist natürlich vorteilhaft, vor allem dann wenn die Abrechnung nach Längenmaß möglich ist. Für all diejenigen, die im Neubaubereich tätig sind und vorwiegend aus Zeichnungen aufgemessen haben, ist die Abrechnung nach Fertigmaß ein erheblicher Nachteil, der  zu Masseverlusten von mehr als 5 % führen kann. Alle anderen Änderungen haben nur geringfügigen Auswirkungen gegenüber der bisherigen Regelung. Vorteile können sich bei der Fassadenabrechnung ergeben, weil nun Gesimse, Lisenen, Eckverbände, Umrahmungen und Faschen beim Ermitteln der Fläche grundsätzlich übermessen werden und zwar unabhängig von der damit verbundenen „Aussparung“.

Maler Consult: Ab wann haben diese Regeln Gültigkeit? Insbesondere im Hinblick auf bereits laufende Bauvorhaben. Gibt es Stichtage oder ähnliches, was zu beachten wäre?

Eberhard Schilling: Wann die öffentlichen Auftraggeber die neue VOB anzuwenden haben wird durch entsprechende Verwaltungsvorschriften geregelt. Stichtag für den Bund und die meisten Bundesländer war der 1. November 2006. Welche Fassung bei Privatpersonen gilt, ergibt sich aus der vertraglichen Vereinbarung. Dies wird normalerweise die von den Verwaltungsbehörden eingeführte Fassung zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses sein. Für alle nach diesem Stichtag abgeschlossenen VOB-Verträge sind also i.d.R. auch die neuen Aufmassvorschriften anzuwenden.

Maler Consult: Ist Ihnen ein Seminarangebot bekannt, wo die Veränderungen der Abrechnungsvorschriften im Malerhandwerk geschult werden können? Welches Seminar können Sie empfehlen?

Eberhard Schilling: Seminare zu Abrechnung und Aufmaß bietet die Akademie des Maler- und Lackiererhandwerks an (www.akademie-maler.de). Daneben gibt es Seminare der einzelnen Landesverbände. Und selbstverständlich werden alle unsere angehenden Malermeister an der Stuttgarter Schule stets mit den neuesten Abrechnungsvorschriften konfrontiert.

Maler Consult: Wo kann der Interessierte Ihr Buch bestellen, oder gibt es vielleicht auch die  Möglichkeiten eines „Downloads“?

Eberhard Schilling: Mein Buch zu Abrechnung und Aufmaß ist bei der DVA (ISBN 978-3-421-03608-7) erschienen und in jeder Buchhandlung erhältlich. Bestellungen per Fax oder online sind beispielsweise beim Malerblatt Medienservice (www.malerblatt-medienservice.de) möglich.


Vielen Dank für das Interview!