Dieter Philipp


Dieter Philipp

Von 1997 bis 2004 stand der Aachener Maler- und Lackierermeister Dieter Philipp an der Spitze des Zentralverbands des Deutschen Handwerkswerks (ZDH). Als bundesweit anerkannter Sprecher des Wirtschaftszweigs hat er in den acht Jahren seiner Amtszeit engagierte Lobbyarbeit für den Mittelstand in der Bundesrepublik geleistet. In das Führungsamt brachte Philipp (61) seine Erfahrungen als Unternehmer, Kommunalpolitiker und Präsident der Handwerkskammer Aachen ein. Diese Aufgabe wird er auch in den kommenden fünf Jahren wahrnehmen, nachdem ihn die Vollversammlung der Kammer wiedergewählt hat. Gemeinsam mit seinem Bruder und seinen Sohn leitet Philipp ein Familienunternehmen in der Kaiserstadt, das sich auf hochwertige Malerarbeiten und Restaurierungen spezialisiert hat.
Mai 2005: Dieter Philipp

Maler Consult: Herr Philipp, in Ihrer achtjährigen Amtszeit als Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) sind Themen wie Senkung der Lohnzusatzkosten, Bündnis für Arbeit, Meisterbrief-Debatte, Ich-AG oder beispielsweise die EU-Osterweiterung von Ihnen intensiv aufgegriffen und diskutiert worden. Welche Themen wurden von der Politik zu Ihrer Zufriedenheit umgesetzt und in welchen Bereichen besteht noch Handlungsbedarf?

Dieter Philipp: Die Bundesregierung hat versucht, die Senkung der Lohnzusatzkosten durch Reformschritte im Bereich der Rentenversicherung, der Krankenversicherung und auch der Arbeitslosenversicherung vorzunehmen. Die Ergebnisse sind für so lohnintensive Wirtschaftsbereiche wie das Maler-Handwerk aber nicht ausreichend. Hier müssen weitere konsequente Schritte folgen. Die Lösung der Probleme ist jedoch nur möglich, wenn eine Gesamtpolitik zugunsten von Wachstum und Mehrbeschäftigung die erste Priorität bekommt.

Bei den meisten Teilfragen wie EU-Osterweiterung, Ich-AG, Umsetzung von Hartz IV usw. ist es dem ZDH immer wieder gelungen, Änderungen durchzusetzen. Wenn das gesamte (oft falsche) Konzept nicht zu verhindern ist, dann muss man eben alles daran setzen, „das Schlimmste zu verhüten“. Das ist weitgehend gelungen.

Maler Consult: Das Projekt „handwerk.de“ hat Ihnen große Kritik eingebracht. Man spricht von Überschuldung, leeren Kassen und von zukünftig höheren Belastungen für Kammern und Verbände, um die Defizite zu kompensieren. Warum ist das Projekt gescheitert? Ist das Handwerk möglicherweise noch nicht reif für diese Technologie? Wie sieht Ihre Einschätzung aus?

Dieter Philipp: Das Internet-Projekt „handwerk.de“ ist in der Eigentümerschaft des Handwerks aus verschiedenen Gründen nicht zu realisieren gewesen, wird aber jetzt in privater Trägerschaft - ohne weitere finanzielle Beteiligung des Handwerks - fortgeführt. Ich bin sicher, auch sehr erfolgreich!

Dieses von allen Kammern und Fachverbänden im ZDH beschlossene Projekt hat im Ergebnis zu einer angespannten Finanzlage geführt, aber es sind keine weiteren höheren Belastungen für die Kammern und Fachverbände damit verbunden.

Die Handwerksorganisation und insbesondere die Handwerksbetriebe nutzen die Internet-Welt bereits sehr intensiv und dieser Trend wird sich noch rasant fortsetzen.

Maler Consult: Was würden Sie als größten Erfolg in Ihrer Amtszeit als Präsident des ZDH bezeichnen?

Dieter Philipp: Dass nach den „Cottbusser-Beschlüssen“ und den insgesamt dreimaligen Änderungen der Handwerksordnung das Handwerk in seinem Spitzenverband ZDH zusammensteht und sich nicht von anderen Interessengruppen und der Politik hat auseinander dividieren lassen.

Erfolgreich, aber im Ergebnis unbefriedigend ist es natürlich immer wieder, in Richtungs- und Sachfragen im nachhinein Recht zu bekommen, wie z. B. bei der Frühverrentung.

Maler Consult: Herr Otto Kentzler hat Ihre Nachfolge angetreten. Welche Aufgabe sehen Sie als wichtigste auf ihn zukommen. Und welche Empfehlungen haben Sie ihm mit auf den Weg geben?

Dieter Philipp:Es ziemt sich nicht, seinem Nachfolger öffentlich Ratschläge zu geben.

Maler Consult: Durch die Abgabe des Spitzenamtes stehen Ihnen nun zusätzliche Kapazitäten zur Verfügung. Wie werden Sie diese Kapazitäten füllen? Wie sieht Ihre Zukunft hinsichtlich Verbands- oder Kammerarbeit aus?

Dieter Philipp: Ich habe jetzt mehr frei verfügbare Zeit, die ich zu unternehmerischem und bürgerschaftlichem Einsatz nutzen werde. Alles Weitere wird sich ergeben.



Vielen Dank für das Interview!