Dr. Carl Heiner Schmid


Dr. Carl Heiner Schmid

Gesellschafter von Europas grösstem Malerbetrieb, der Heinrich Schmid GmbH & Co.KG
September 2005: Dr. Carl Heiner Schmid

Maler Consult: Herr Dr. Schmid, die EU Osterweiterung wird in unserer Branche weitgehend kritisch und negativ beäugt. Heinrich Schmid hingegen sieht darin Chancen und hat kürzlich die erste Niederlassung in Tschechien eröffnet. Welches Potential sehen Sie in den Osteuropäischen Länder und warum ist für Sie der Markt so attraktiv.

Dr. Carl Heiner Schmid: Bei der EU-Osterweiterung gibt es eine klare Erkenntnis: Entweder folgt das Geld den Menschen, oder die Menschen folgen dem Geld. Wie sich Heinrich Schmid entschieden hat, wissen Sie. Die volkswirtschaftlichen Wachstumsraten liegen in Mittel- und Osteuropa weit höher als in Deutschland, und die Steuergesetzgebung ist dort wesentlich unternehmerfreundlicher. Zudem hat Deutschland noch erheblichen kulturellen Aufholbedarf. In Wien, Österreich, sitzen mehr als 300 Holding-Ost-Gesellschaften südeuropäischer und nichteuropäischer Muttergesellschaften. Sie haben die Aufgabe, unternehmerisches Wachstum in den mittel- und osteuropäischen Ländern zu schaffen. Warum aber sitzen diese Holdings in Österreich und nicht in Deutschland?

Maler Consult: Sollten andere Maler-Unternehmen sich mit ähnlichen Gedanken auseinander setzen;  was sind die wichtigsten Punkte die zu berücksichtigen sind und wie hoch schätzen Sie das zu erbringende Investitionensvolumen?

Dr. Carl Heiner Schmid: Zunächst muss jeder Kollege seine Hausaufgaben daheim in Deutschland machen. Denn ohne eine solide unternehmerische Basis im Inland funktioniert im Ausland gar nichts. System und Mann sind gefragt. Als Unternehmer muss ich wissen, wie ich die Gründung einer erfolgreichen Auslandsniederlassung anpacken muss, und ohne nationale Führungskraft geht gar nichts. Die Investitionssumme ist ein nachrangiges Problem. Mit 100.000 Euro kommen Sie in Mittel- und Osteuropa ziemlich weit.

Maler Consult: Gehen wir einen Schritt weiter. Globalisierung. Den asiatischen Märkten, insbesondere China, wird eine enorme Kaufkraft bescheinigt. Ist dieser Markt auch ein Thema für Heinrich Schmid?

Dr. Carl Heiner Schmid: China, Indien, USA und Kanada – das sind unendlich große Märkte. Wachstum unlimited. Während in Mittel- und Osteuropa Deutsch als Managementsprache gelten kann, funktioniert dies bei der Globalisierung nicht mehr. Doch wer von den deutschen Handwerkern ist in Englisch schon verhandlungssicher. Von Mandarin ganz zu schweigen. Und wer kennt die kulturellen Besonderheiten des jeweiligen Landes. Hier wird die Einsprachigkeit des deutschen Handwerks zum Gefängnis.

Maler Consult: Sie lassen keine Gelegenheit aus, auf die Wichtigkeit von „Veränderungsbereitschaft“ hinzuweisen. Welches sehen Sie als  bislang wichtigsten Veränderungsprozeß, den das Unternehmen Heinrich Schmid durchlaufen hat.

Dr. Carl Heiner Schmid: Heinrich Schmid häutet sich ständig. Dabei gibt es wichtige und weniger wichtige Ereignisse. Eine der großen Stationen fand vor mehr als drei Jahrzehnten statt. Wir schufen eine absolut klare Transparenz bei den Finanzkennzahlen. Eine Transparenz, die heute niemand mehr diskutiert. Eine weitere große Wende kam Ende der Neunzigerjahre. Wir erkannten, dass wir mehr als als nur Finanzkennzahlen brauchen. Weitere Erfolgsfaktoren sind zu messen. Denn nur was gemessen wird, wird getan. Das Ganze läuft heute bei Heinrich Schmid unter dem Begriff Prozesssteuerung und Prozessoptimierung. Um dieses Denken und Handeln bei Heinrich Schmid anzustoßen, war ich ziemlich lange als Feldgeistlicher unterwegs.

Maler Consult: Wie ist der erfolgreiche national agierende Malerbetrieb in Hinblick auf strukturelle und konjunkturelle Veränderungen in den nächsten Jahren aufgestellt, wenn man die Parameter Auftragsstruktur, Betriebsgröße und Mitarbeiteranzahl heran zieht?

Dr. Carl Heiner Schmid: Patentrezepte kann ich leider nicht anbieten. Die Antwort auf folgende Frage ist gesucht: Wo bewege ich mich mit meinem Unternehmen? Im Blut getränkten Haifischbecken des gnadenlosen und immer härter werdenden Wettbewerbs? Oder ist es mir gelungen, eine blaue Lagune zu schaffen, in der meine Kunden gerne baden und sich erholen mögen? Ich bin gerade am Entwurf eines Artikels für unsere Firmenzeitung „HS-Report“ zu diesem Thema. Wenn meine unternehmerische Zukunft nicht blutrot, sondern karibikblau gefärbt sein soll, muss ich unter anderem folgende Denkschritte anpacken:

Schritt 1: Was gab es vor 30 Jahren in unserm Handwerk noch nicht?

Schritt 2: Was gab es vor 15 Jahren bei Malers nicht?

Schritt 3: Was muss ich in 15 Jahren meinen Kunden anbieten, damit nicht nur der gewinnt, der die stärksten Oberarme und die schärfste Machete besitzt?


Vielen Dank für das Interview!