Britta Großmann


Brita Großmann

Chefredakteurin der Fachzeitschrift "Gebäude Energieberater"
(www.geb-info.de)

Energieberater
November 2006: Britta Großmann

Maler Consult: Frau Grossmann, Sie sind Chefredakteurin der Fachzeitschrift "Gebäude Energieberater". Sind die Diskussionen um den Gebäudeenergiepass mittlerweile abgeschlossen? D.h. kann er auf freiwilliger Basis ausgestellt werden oder ist er ein Pflichtinstrument?

Britta Großmann: Es gibt noch keine Energieausweis-Pflicht, weil die erforderliche Verordnung, die neue EnEV, noch nicht in Kraft getreten ist. Die bereits freiwillig ausgestellten Energiepässe sollen aber ihre Gültigkeit behalten. Am 24.Oktober hat sich die Bundesregierung auf Eckpunkte geeinigt, um den Streit um die EnEV-Novellierung beizulegen. Wird jetzt der Fahrplan eingehalten, kommt die EnEV Mitte 2007. Energieausweise werden ab 2008 bei Verkauf und Neuvermietung Pflicht. Voraussichtlich gibt es aber dann auch noch Fristen je nach Gebäudetyp und Alter. Für Gebäude mit weniger als fünf Wohneinheiten, die vor 1978 errichtet wurden, soll der bedarfsorientierte Energieausweis verbindlich vorgeschrieben werden. Das gilt auch für Gebäude bzw. Modernisierungen an den Gebäuden, die mit öffentlichen Mitteln gefördert werden. Bei größeren Gebäuden wird eine Wahlfreiheit zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis eingeräumt.

Maler Consult: Welche Vorteile und Inhalte hat der Gebäudeenergiepass? Macht es Ihrer Meinung nach Sinn, einen Gebäudeenergiepass zu haben?

Britta Großmann: Ursprünglich wurde der Energiepass als Instrument initiiert, das Verbrauchern mehr Klarheit über die energetische Qualität von Gebäuden bringen sollte. Durch die lange Debatte wurden immer mehr Kompromisse in den Verordnungsentwurf eingebaut, so dass es schwierig wird, die vielen unterschiedlichen Regelungen und Fristen zu kommunizieren. Stellt ein Kunde die Frage: "Brauche ich einen Energieausweis?" dann muss man erst weitere Fragen nach Gebäudetyp, Baujahr und Wohneinheiten stellen, um das zu beantworten. Ein Ja oder Nein gibt es erst dann. Fachleute sollten sich gut auf solche Situationen vorbereiten und sich mit den Kernpunkten der EnEV frühzeitig vertraut machen.

Den Energieausweis vergleiche ich gerne mit einem Schnappschuss der energetischen Gebäudequalität. Der Ausweisempfänger weiß dann zwar, wo er zu diesem Zeitpunkt mit seinem Gebäude steht, aber noch nicht, wie er es verbessern kann. Das kann aber eine Energieberatung leisten, die auch die Wirtschaftlichkeit und Fördermöglichkeiten von Modernisierungsmaßnahmen bewertet. Kurz: der Energieausweis eine gute Sache, wenn er in eine Energieberatung eingebunden ist und am besten Bedarf und Verbrauch enthält. Dann bringt er dem Empfänger auch einen echten Nutzen.

Maler Consult: Welche Impulse, z.B. KfW-Förderung, sind für den Verarbeiter (Malerbetrieb, Baudekoration), hier im besonderen was die Gebäudehülle angeht,  2007 zu erwarten?

Britta Großmann: Die KfW plant eine geänderte Richtlinie für das CO2-Gebäudesanierungsprogramm, das bereits jetzt vom Markt sehr gut angenommen wird. Nach Aussagen aus dem Bauministerium sollen die Förderkredite um Zuschüsse für bestimmte Modernisierungs-Maßnahmen erweitert werden. Details dazu werden noch im November erwartet. Bei aktuellen Themen wie diesem halten wir neben den Infos in der Fachzeitschrift Gebäude-Energieberater unsere Leser auch mit einem Infoletter per email auf dem Laufenden.

Maler Consult: Unabhängig davon, dass der Endverbraucher schon sehr sensibel mit dem Thema Energie und Umwelt umgeht und sein Interesse bekundet. Wie schlägt sich dies in den Auftragsbüchern der Handwerker nieder? Gibt es hier Ausblicke für 2007 (Auswertungen, Statistiken) die Sie uns mitteilen können?

Britta Großmann: Die Modernisierungstätigkeit wurde in diesem Jahr von sehr vielen Faktoren beeinflusst: von den hohen Energiepreisen, der zukünftigen Mehrwertsteuererhöhung und den sehr niedrigen Zinsen im CO2-Gebäudesanierungsprogramm der KfW Anfang des Jahres. Das hat viele Auftragsbücher gefüllt. Obwohl einige Verbände der Baubranche von einer Konsolidierung des Marktes sprechen, ist schwer vorhersehbar, was der Energieausweis bewirken wird. Letztendlich liegt es am Engagement jedes einzelnen Fachmanns, durch eine ganzheitlich, qualifizierte Beratung Kunden zur Modernisierung zu bewegen. Denn das zählt mehr als jedes Gesetz.

Maler Consult: Damit der Verarbeiter (Malerbetrieb, Baudekoration) das Thema fachkundig an den Kunden bringen kann bedarf es einer gewissen Vorbildung. Welche Möglichkeiten gibt es, um sich mit dem Thema Energieeinsparung und Umwelt vertraut zu machen? Welche Maßnahmen können Sie empfehlen?

Britta Großmann: Ich warne davor, mit lückenhaften Kenntnissen Energieausweise auszustellen. Denn damit ist auch eine Beratungshaftung verbunden. Die Themen Gebäudehülle, Anlagentechnik und die Berechnungsmethoden sollten sicher beherrscht werden. Ich empfehle eine Weiterbildung zum Energieberater, die in Vollzeit, berufsbegleitend oder als Fernlehrgang absolviert werden kann. Eine Marktübersicht mit Kosten, Kursdauer und Terminen ist in der November-Ausgabe des Gebäude-Energieberaters dargestellt. Außerdem wird ab Ende November eine Datenbank auf unserer Internetseite www.geb-info.de zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung stehen.


Vielen Dank für das Interview!